das rhetorische gejammer rechter kreise über die links-dominierte presse in der schweiz ist reine stimmungsmache. in den letzten jahren ist in der printmedien-branche ein deutlicher rechtsrutsch zu beobachten
in deutschland ist bei den wochenmagazinen wenigstens eines klar:
focus ist rechts. beim
spiegel wird es schon schwieriger. der spiegel, ... äh, ... der spiegel, der war doch mal ... irgendwie links. heute, ...
gejammer der rechten:
genauso wie in amerika die ultrarechten, zweck-jammern in der schweiz die rechtsaussenpolitiker der svp über die böse linke zeitungsszene, in denen sie scheinbar kein gehör finden. ein politisches wochenmagazin marke spiegel oder focus gibt es, seit dem niedergang von "facts", in der schweiz eh nicht mehr. vorhanden ist einzig noch die rechtsaussen-wochenzeitung
weltwoche unter roger köppel.
zeitungen:
ist es so schlimm mit der dominanz linker medien, wie die rechte politszene glauben machen will? eher umgekehrt. früher gab es einige tageszeitungen, die klar freisinnige leitlinien verfolgten. seit die grossen verlage viele jener tageszeitungen ihr eigen nennen, hat sich einiges verändert. jene zeitungen sind bestimmt nicht links, lassen sich aber, mit ausnahme der nzz-gruppe, nur schwer einem politischen mitte- oder rechts-spektrum zuordnen. schaut man genauer hin, so besitzen die "rechten" inzwischen deutlich mehr zeitungen als früher (aufs bild klicken). insbesondere svp-autohändler frey engagiert sich stark im zeitungsmarkt. blocher zieht im hintergrund die fäden:
nebst den "svp-zeitungen" gelten in svp-kreisen weltwoche,
basler zeitung (unter dem neuen ex-weltwoche-mann somm) und
schaffhauser nachrichten (unter der leitung von blocher-fan neininger) als sehr svp-freundlich. linke tageszeitungen existieren schon lange nicht mehr. linke wochenzeitungen gibt es nebst der
woz und einigen linken lokalblättern (bsp:
schaffhauser az), kaum noch.
sonntagszeitungen:
die
sonntagszeitung ist, seit der ex-chef der handelszeitung und leiter wirtschaftszeitungen bei axel springer,
martin spieler, als chefredaktor amtet, nach rechts gerückt und unterscheidet sich bisweilen nicht mehr allzu gross vom rechten konkurrenten
nzz am sonntag. unter spieler und seinem stellvertreter dominic geisseler haben wert-konservative und wirtschaftsfreundliche beiträge und kommentare deutlich zugenommen, auch der wirtschaft/geld-bund scheint grösser geworden zu sein. in der aktuellen ausgabe z.b. kritisiert der stellvertretende chefredaktor geisseler unter "jammern auf hohem niveau" die "streikdrohungen wegen kleinigkeiten". buschauffeure könnten mehr erreichen wenn sie "mit etwas mehr freundlichkeit für verständnis bei der bevölkerung sorgen würden". auch finden forderungen von politischen hardlinern (aktuell karin keller sutter) deutlich mehr gehör, als früher.
von den vier sonntagszeitungen hat der
sonntag noch die wert-neutralste ausrichtung. überraschenderweise weist auch der politische teil des ansonsten populistischen
sonntagsblick oft eine gewisse "parteilose frische" auf. in der aktuellen ausgabe allerdings dominiert die svp, resp. blocher, fast den ganzen politischen teil.
fazit:
eines ist klar, wer heute noch erfolgreich eine zeitung herausgeben will, der kann dies nur mit einem ziemlich grossen finanziellen background. darüber verfügen mit sicherheit keine linken kreise. das gejammer der rechten ist einzig rhetorische wahlkampftaktik.
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