05.05.2009

Haben klassische Zeitungen ausgedient?

"tamedia", eines der grössten verlagshäuser der schweiz will knapp 100 stellen streichen, ".ch", eine , der vielen kurzfutter-pendlerzeitungen der schweiz, macht den laden dicht. ab heute gibt es keine ausgaben mehr. klassische tageszeitungen verlieren konstant leser, internetauftritte gewinnen immer mehr an bedeutung. ist die klassische tageszeitung am ende? Nein, wenn sie sich richtig positioniert!

die neusten erhebungen scheinen den trend zu bestätigen. seit monaten rückläufige leserzahlen für die meisten tageszeitungen. einzig die kurzfutter-pendlerzeitungen "20 minuten" (hauptsache kurz und süffig) mag noch zulegen. gewinner sind internetauftritte von medienhäusern.
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das problem ist kein rein schweizerisches. weltweit büssen tagsezeitungen an attraktivität und abonnenten ein. erste medienhäuser konzentrieren sich nur noch auf den online-auftritt.

in amerika stirbt eine zeitung nach der anderen . es gibt bereits amerikanische tageszeitungen die die redaktionelle oder layout-arbeit nach indien auslagern. regionale senioren wurden angestellt, die mit ihren handykameras parlamentsdebatten und andere anlässe filmen und diese aufnahmen sofort nach indien übermittlen. die indischen redakteure verfassen dann für 5 - 7 euro pro tag aus mumbai berichte darüber, die am folgetag in der örtlichen amerikanischen tageszeitung erscheinen. andere verlagshäuser interessieren sich bereits brennend für diese kostensparenden modelle. das wallstreet-journal hat alle grossen zeitungen des landes auf einer karte zusammengefasst. fährt man mit der maus über die landschaft, so erhält man zusätzliche infos zu den zeitungen.
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haben klassische printmedien ausgedient?
grosse, nationale zeitungen, die hauptsächlich gewichtige nationale oder internationale beiträge und berichte bringen, werden weiter leser oder abonnenten verlieren. denn die leser der zukunft - insbesondere junge leser - haben die wichtigsten news bereits am vortag oder noch am morgen, bevor sie die tageszeitung am frühstückstisch oder im betrieb lesen, via tv, radio oder internet abgerufen. in den grossen und nationalen zeitungen finden sie dementsprechend nicht viel neues. es sei denn, die grossen bauen ihre lokalen fenster massiv aus und reduzieren den gemeinsamen mantelteil, den sie mit partnerzeitungen führen.
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nebst den pendlerzeitungen (sofern es nicht bereits zu viele verschiedene hat), haben grössere lokale tageszeitungen durchaus eine chance, vorausgesetzt, sie wissen synergien mit anderen printmedien zu nutzen (druckerei, verteilsystem, fotografenpool, freelancer, korrektorat, inserate etc.).

verstärken müssen jene lokal-orientierten zeitungen folgende schwerpunkte:
- lokalnachrichten und -berichte
- primeurs (egal ob lokal oder national)
- pro und kontras oder klare personalisierte stellungnahmen
- interviews (weniger fragen, kürzere antworten)
- lesermeinungen
- humor (karikatur, kolumnen, satire, schnappschüsse)
- längere berichte nur über regionale ereignisse (mit viel bildmaterial)

massiv gekürzt (nicht unbedingt gegestrichen) werden muss in folgenden bereichen:
- nationale, internationale berichte zu allen themenbereichen
- jegliche artikel, die eh in allen nationalen oder internationalen zeitungen oder in den pendlerzeitungen stehen.
- berichte, über erreignisse, die am vortag bereits von radio, tv oder internet abgehandelt wurden.
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fazit: printzeitungen haben durchaus potenzial, sie müssen sich nur richtig positionieren. grössenwahn und fusionen en masse sind gift. gefragt sind wieder mittelgrosse regionale blätter, deren themen in radio, tv, internet und pendlerzeitungen zu kurz kommen.
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rund um medien:
«Neue Luzerner Zeitung» streicht 20 Stellen (tagesanzeiger)
Klickhuren im Internet: Spiegel, Welt, 20Min, SZ und Co
Deutschland: Unmögliche Zeitungsformate
das meinen blogger über die medienkrise:
USA: Zeitungen in der Krise (wortgefecht)
Umfrage zur Qualität von Tageszeitungen (textguerilla)
Die Krise: eine Chance fürs lokale Web? (webriting-magazin)
Überlebenskritik online (meckel-blog)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Welch umwerfende Einsichten.

lupe hat gesagt…

welch umwerfender kommentar

Schaffhausen hat gesagt…

Online-Zeitungen sind unbestrittener massen sehr beliebt und bieten auch viel mehr Möglichkeiten als herkömmliche Printmedien. Das grosse Problem ist aber, dass damit (fast) kein Geld verdient wird. Das Geld wird nach wie vor mit den Printmedien verdient, weshalb sie wohl auch weiterhin am Leben gehalten werden.

Lupe hat gesagt…

das problem sind die "klickraten" im online-bereich. müssten die werber den zeitungen die inserate per anruf auf ein inserat oder per kundenbesuch auf ein inserat bezahlen, so kämen die zeitungen noch mehr unter druck. immerhin gibt es ja inzwischen auch online-werbung, die pro sichtkontakt abgerechnet wird.

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