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06.02.2011

SP-Strafanzeige gegen SVP (Interview mit SP-Präsident Levrat)

die svp kündet in der heutigen sonntagszeitung an, dass sie gedenke, dazu aufzurufen, die gebühren für die srg (öffentliche radio- und tv-sender) nicht zu bezahlen. auslöser sei der entscheid der tv-oberen gewesen, eine neue talkshow mit roger schawinski zu lancieren. die linkslastigkeit bei den öffentlichen medien sei damit noch grösser. wir sprachen mit christian levrat, sp-schweiz präsident zu diesem boykottaufruf.

Levrat: "die chance, dass ich in die svp eintrete ist grösser,
als dass brunner es wagt, definitiv zum boykott aufzurufen"
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  • lupe: christian levrat, toni brunner, svp-präsident, gedenkt, zu einem boykott der radio- und fernsehgebühren aufzurufen. 
  • levrat: beim "gedenkt" wird es bleiben. die svp spuckt einmal mehr grosse töne ohne taten folgen zu lassen. jetzt gibt es gerade kein anti-ausländerthema, und da alle svp-ler gerne tv gucken, nimmt der dauerlächler halt dieses thema auf. 
  • lupe: will heissen, es wird keinen boykottaufruf geben.
  • levrat: kampfhunde, die laut bellen, beissen nicht. die chance, dass ich der svp beitrete ist grösser, als dass brunner es wagt, definitiv zum boykott aufzurufen. 
  • lupe: und wenn doch?
  • levrat: wir haben unsere strafanzeige gegen die svp schon vorbereitet.
  • lupe: strafanzeige? delikt "aufruf zu einer straftat"?
  • levrat: genau, es darf ja auch niemand dazu aufrufen, die staats- oder gemeindesteuern nicht zu bezahlen.
  • lupe: mal abgesehen vom boykott-aufruf; ist denn das öffentliche schweizer fernsehen zu links? 
  • levrat: für die blocher-partei ist alles links, was nicht so rechtsaussen agiert, wie die svp. viele exponenten der schweizer tea-party-version sagen sogar, die nzz sei links. 
  • lupe: hätte man anstelle von schawinski nicht einen anderern talkmaster nehmen können, weltwoche-chef roger köppel zum beispiel? 
  • levrat: dann besser gleich das original?
  • lupe: blocher?
  • levrat: genau, aber der hat sein wöchentliches tv-format mit fragenzusteller ackeret ja schon bei den schaffhauser nachrichten.   
  • lupe: aber blocher wäre ja dann talkmaster, nicht der interviewte?
  • levrat (lacht laut): blocher als talkmaster?! ... (lacht noch einmal). der kann doch keine fragen stellen, der allwissende will seine meinung predigen, sonst nichts. und dies geht als talkmaster nicht. schauen sie, dies ist genau das problem bei der suche nach rechten talkmastern. je rechter, desto weniger moderator. nennen sie mir einen einzigen rechtsaussenpolitiker, der dazu geeignet wäre, zu leiten, zu fragen, zu moderieren, ohne den eigenen senf dazugeben zu müssen.
  • lupe: ja, also, ... da bin ich wirklich etwas überfordert, ... wie wäre es mit dem ehemaligen arena-moderator filippo leutenegger?
  • levrat: ach, jener svp-ler, der die fdp unterwanderte? der kann sich heute auch nicht mehr zurücknehmen. 
  • lupe: bliebe nur noch matthias ackeret, der sich schon in tele-blocher schön brav zurücknimmt . 
  • levrat: "schön brav" ist gut. man kann einen hund, der "schön brav" einem herrchen folgt ist, nicht plötzlich umpolen.   
  • lupe: dann sind wir mal gespannt, ob sie der svp beitreten, falls brunner den boykott-aufruf doch startet.
  • levrat: ich würde bei denen schon in der vorrunde des castings scheitern.  
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13.10.2010

Friedensnobelpreis an Parteipräsidenten Levrat und Pelli

friedensforscher sind begeistert: die schweizerischen parteipräsidenten christian levrat (sp) und fulvio pelli (fdp) begruben gestern auf eindrückliche art und weise ihr kriegsbeil und traten nach erfolgreichem friedensabkommen an einer gemeinsamen medienkonferenz auf. 

levrat, sp (links) und pelli, fdp - wieder schulter an schulter 
man erinnere sich: vor zwei wochen, bei der rochade der departemente im bundesrat wurde das anciennitätsprinzip nicht eingehalten. schneider-amman (fdp) durfte zuerst sein departement wählen, obwohl simonetta sommaruga (sp) als zuerst-gewählte, formal an der reihe gewesen wäre. folge: die bürgerlichen bundesräte erhielten alle ihre wunschdepartemente, die neue sp-frau musste ins justizdepartement. levrat bezeichnete darauf den fdp-präsidenten als "knallharten lügner", weil er versprochen habe, dass alles formal korrekt ablaufen würde. dies wiederum traf pelli so tief, dass er mimosenhaft eine klage gegen levrat wegen verleumdung ankündigte.

gestern nun hatten sich die beiden ausgesprochen und traten gemeinsam an einer medienkonferenz auf. levrat bezeugte "ich habe einen unangebrachten audruck benutzt" und pelli bezeichnete seine drohung mit einer klage als "überreaktion". er verzichte darauf.

die verantwortlichen juroren bei der vergabe des friedensnobelpreises waren so begeistert von den beiden parteipräsidenten, dass sie es öffentlich bedauerten, "dass die beiden nicht schon früher diesen friedensschluss vollzogen haben". nun sei halt ein chinese friedensnobelpreisträger geworden. man werde aber eine nomination für das  nächste jahr ins auge fassen.
  
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quelle friedensschluss cash 
foto via südostschweiz
danke für den input an twitterer lilypap, der mich mit einem tweet auf die idee des beitrages brachte

15.04.2009

Levrat: "Wir wollen Parteispenden von Banken verbieten"

sp-schweiz präsident christian levrat (im interview) über parteispenden, über 10'000 franken, die jede bundesratspartei von der mobiliar bekommt, über bundesrätin doris leuthard, die nur auf kritik schnell reagiert, über seine web 2.0 aktivitäten

fact 1: heute tagen die aktionäre der ubs. oswald grübel, ex-mister-abzocker der schweiz, neu ubs-chef, wird massenentlassungen bekannt geben. so wird zumindest vermutet, was bereits gestern zu einem deutlichen kursanstieg der ubs-aktien führte.
fact 2: die ubs erhielt von uns steuerzahlern (staat und nationalbank) 68 milliarden schweizer franken als finanzspritze. .
fact 3: ubs und cs zahlen der fdp, cvp und svp je etwa eine halbe million schweizer franken pro jahr. parteispenden müssen in der schweiz noch nicht offengelegt werden.
fact 4: wenn die ubs bürgerliche parteien grosszügig "sponsert", um nicht "schmiert" sagen zu müssen, so zahlen wir dies mit (wir alle, die in der schweiz steuern zahlen). .
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grund genug, den ubs-aktionär (sp hat eine aktie) und sp-parteipräsidenten christian levrat zu diesen parteispenden zu befragen.

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Lupe: Christian, vor kurzem konnte man lesen, dass die bürgerlichen Parteien CVP, FDP und SVP pro Jahr je etwa 500'000 Franken von der UBS und CS erhalten. Wie viel erhält die SP von den beiden Banken?
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Levrat: Keinen einzigen Franken! Dabei habe ich doch auch ein Konto bei der UBS… Aber ernsthaft: Aus finanzieller Sicht ist es natürlich bedauerlich, dass wir keine Bankbeiträge erhalten; dennoch können wir uns so unsere vollständige Unabhängigkeit wahren, die mir doch wesentlich wichtiger ist als die Parteifinanzierung durch eine Grossbank. Die finanzielle Abhängigkeit der begünstigten ParlamentarierInnen von diesen Instituten verhindert die nötige Distanz, wenn über allfällige Rettungsaktionen entschieden werden muss.
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Lupe: Habt ihr die UBS oder CS mal darauf angesprochen, wie viel sie den Bürgerlichen spenden oder nach welchen Kriterien sie spenden?
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Levrat: Ja. Aber die Parteispenden der Banken werden hierzulande extrem diskret behandelt. Da wird das Bankgeheimnis auf die Spitze getrieben. Die Kriterien hingegen sind klar: Die Banken finanzieren jene Parteien, die deren Interessen ohne Widerspruch vertreten und das sind logischerweise FDP, SVP und CVP. Die Banken kontrollieren das Abstimmungsverhalten dieser Parteien und bestimmen dann offenbar die Höhe der Ausschüttung anhand der Entscheide im Interesse der Bank.
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Lupe: Wenn die UBS weiterhin den bürgerlichen Parteien Geld spendet, so sind wir Steuerzahler doch die, die diese Spenden durch die Milliardenhilfe des Staates an die UBS mitfinanzieren. Könnt ihr dies nicht verhindern?
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Levrat: Genau dies ärgert mich auch und die SP hat die Parteifinanzierung stets kritisiert. Im vergangenen Herbst, als die Bundessubvention an die UBS nötig wurde, haben wir die bürgerlichen Parteichefs aufgefordert, den Betrag zurückzuzahlen. (Siehe: Zahlt Banken-Spenden zurück!)
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Lupe: Angenommen, eine Volksinitiative, die verlangt, dass man Parteispenden ab 5000.- offen legen müsste, hätte Erfolg. Wie viele Spender hätte die SP, die darüber liegen.
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Levrat: Das Aufkommen der Spenden ist naturgemäss sehr schwankend. Im letzten Jahr hatten wir fünf private Spenden in dieser Höhe. Aus der Wirtschaft erhält die SP – wie alle anderen Bundesratsparteien auch – für die politische Arbeit 10'000 Franken von der Mobiliar-Versicherung. Und die SP-Bundesratsmitglieder, die BundesrichterInnen und die SP-Regierungsratsmitglieder bezahlen einen jährlichen Mandatsbeitrag.
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Lupe: Warum startet die SP keine solche Volksinitiative? Die würde mit Sicherheit in der Bevölkerung angenommen und die bürgerlichen Parteien finanziell in Bedrängnis bringen.
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Levrat: Solche Überlegungen sind tatsächlich im Gange. Wir beschreiten allerdings vorderhand den parlamentarischen Weg und versuchen, die Bankspenden an die Parteien zu verbieten. Absolut unabdingbar ist dies für die Dauer einer Bundessubvention zu Gunsten eines Instituts, wie dies im Moment bei der UBS der Fall ist.
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Lupe: „Sie sind vor kurzem unserer Wirtschaftsministerin Doris Leuthard auf die Füsse getreten, indem sie ihr Untätigkeit im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise vorgeworfen haben. In der Samstags - Ausgabe von Le Matin schlug sie zurück: Levrat würde auf eine unverantwortliche Art und Weise ein Klima der Angst verbreiten, wenn er von drohenden Massenunruhen wie in Griechenland spreche. Warum werfen sie ihr Untätigkeit vor? Zumindest auf ihre Kritik hat sie doch schnell reagiert.“
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Levrat: Damit hat’s sich dann aber auch schon mit ihrem Aktivismus. So lange Bundesrätin Leuthard Brandstiftung vorwirft, wenn Wahrheit angesprochen wird, verkennt sie die Probleme. Es bräuchte wesentlich mehr: Keine Beruhigungspillen und kein Placebo, sondern den Mut, selber die Diskussion zu suchen und echte Massnahmen auszuarbeiten. Es ist mir nicht klar, worauf Doris Leuthard noch wartet: Täglich werden 200 Menschen neu arbeitslos. Bis Weihnachten werden es insgesamt rund 60‘000 Arbeitslose zusätzlich sein.
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Lupe: Noch eine letzte Frage. Wie nutzt der SP-Parteipräsident das Web 2.0 und wie viel Zeit pro Tag verbringt er im Netz.
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Levrat: Ich aktualisiere regelmässig meine eigene Website. Daneben pflege ich mein Profil auf Facebook. Das geht aber rasch und dauert vielleicht drei bis fünf Minuten täglich. Ich habe diese Möglichkeit vor allem während des US-Wahlkampfs entdeckt. Damals wurden solche virtuellen Netze erstmals sehr direkt mit der politischen Arbeit verbunden. Zum Beispiel zur Koordination und Bekanntmachung von Strassenaktionen. Und tatsächlich: Facebook ermöglicht eine sehr schnelle Mobilisierung. Ich habe im Zusammenhang mit den UBS-Boni bei Facebook eine eigene Gruppe eröffnet, die innerhalb von 24 Stunden 3'000 Mitglieder vernetzte. Ich rief dazu auf, dem Finanzminister einen Brief zu schreiben und sehr viele folgten diesem Aufruf.
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Lupe: Herzlichen Dank, Christian, für dieses Gespräch.
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Das thema parteispenden wird weiter zu reden geben. es kann durchaus sein, dass nächstens eine volksinitiative gestartet wird, die verlangt, dass parteispenden ab einem gewissen betrag offengelegt werden müssen. vorabklärungen sind im gange. ich halte euch auf dem laufenden. wenn ihr bei solch einer aktion mitmachen würdet (im internet, auf eurem blog oder auf der strasse beim sammeln, meldet euch bei mir: lupe--ät--gmx.ch
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nachtrag: 5.6.09: Alles zum Thema "Parteispenden offenlegen" (Hintergründe, Ist-Zustand, Aktionen etc.)
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mehr zum thema parteispenden hier:
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satire-interviews auf dem lupe-blog: