14.11.2010

Nur 25% gegen SP-Steuerinitiative: Jetzt drohen die Superreichen!

... und verhelfen damit der steuergerechtigkeits-initiative am 28. november gleich selbst zum sieg.

eine interne umfrage der economiesuisse (wirtschaftsdachverband) ergab, dass immer noch 55% der schweizer bevölkerung den mindeststeuersatz für superreiche (betrifft 1% der bevölkerung) befürworten. nachdem vor tagen die unternehmer-zeitung die sp-steuergerechtigkeits-initiative befürwortete (lupe berichtete darüber), liegen die nerven bei den oberen zehntausend blank:

betroffene superreiche erpressen nun öffentlich die schweizer stimmbürger, indem sie mit weggzug ins ausland drohen:

"bei einer annahme der initiative würde ich aus der schweiz wegziehen" droht mit alfred n. schindler (liftbauer) einer von vielen superreichen in der aktuellen sonntagszeitung.

Bernhard Alpstaeg posiert vor seiner luxusvilla
(foto via sonntagszeitung)
bernhard alpstaeg, swisspor-chef meint: "wenn die reichtumssteuer kommt, müssten wir auswandern oder das unternehmen verkaufen". peter spuhler, stadler rail, versucht ebenfalls mit einer wegzugsdrohung schweizer stimmbürger einzuschüchtern: "sollte die steuervorlage kommen, stellt sich auch für mich die frage des wegzuges." selbst thomas schmidheiny kann es nicht lassen, die stimmbürger mit einer drohung einzuschüchtern: "sollte auch noch die erbschaftssteuer kommen, müssten wir eine standortbestimmung vornehmen."

diese drohungen beeindruckten den neuen sonntagszeitungs-chef martin spieler (vormals handelszeitung) derart, dass er im editorial ein landesuntergangs-szenario für unvermeidlich hält, sollte die initiative angenommen werden. die schweizer bevölkerung allerdings wird anders reagieren.

die superreichen haben sich mit diesen drohungen wohl die letzte möglichkeit genommen, einen sieg der mindeststeuersatz-initative zu verhindern.  den drohen oder gar erpressen lässt sich niemand gerne, schon gar nicht herr und frau schweizer und schon gar nicht von superreichen.

...
zum thema:
Unternehmer-Zeitung für SP-Steuergerechtigkeits-Initiative
andere blogger zum thema:
Steuergerechtigkeits-Initiative Pro und Kontra (polithink)
lupe-empfehlungen für ausschaffungsinitiativen:
Ausschaffungs-Initiativen: 1xNEIN 1xJA

Kommentare:

kikri hat gesagt…

Haben die das den nicht begriffen:
Drohungen funktionieren in ihren Firmen, beim Stimmbürger, wenigstens bei denen, die sich nicht als Stimmvieh betrachten, löst das Abwehrreflexe aus.
Ein schöner Schuss ins Knie

Anonym hat gesagt…

Dies sind leider keine "leeren" Drohungen, sondern das wird passieren. Es sind nicht 1% der Bevölkerung betoffen, das ist eine infame Lüge. Wenn z.B. 1 Unternehmer aus meiner Wohngemeinde wegzieht, der 100'000 Steuern bezahlt hat, dann müssen die restlichen Einwohner für diesen Fehlbetrag aufkommen, damit die Stuerrechung ausgeglichen bleibt. Diese Initiative ist wieder einmal eine sozialistische Träumerinitiative, bei der man mit sogeannter Gerechtigkeit argumentiert. Dass es nachher aber ALLEN schlechter geht, wird verschwiegen.

Lupe, der Satire-Blog hat gesagt…

lieber anonym, kikri hat recht, ob die drohungen leer sind oder nicht ist egal, sie sind aus sicht der reichsten kontraproduktiv.

wenn der von dir erwähnte wegzieht, dann müsste er ins ausland, weil er nicht mehr nach zug oder an die goldküste kann.

die meisten werden zähneknirschend bleiben und dann fliesst sogar mehr geld in die steuerkassen der kantone, was wiederum dem mittelstand zu gute käme.

du siehst, man kann auf beide seiten argumentieren. alles reine spekulation.

Marc Schweizer hat gesagt…

Die Bürger des Kantons Schwyz haben sich schon immer erfolgreich gegen fremde Steuer(ein)treiber gewehrt. Nachdem Schwyz lange ein "Armenhaus" war, hat der Kanton dank einer geschickten Finanz- und Steuerpolitik seine Standortattraktivität ausgebaut. Jetzt soll sozialistische Gleichmacherei dazu führen, dass Bundesbern die Höhe der Steuern diktiert- die Gutverdienenden werden so aus dem Kanton aber auch aus der ganzen Schweiz hinauskomplimentiert. Danach müssen aber auch die tiefen Einkommen zur Kasse gebeten werden um den massiven Steurausfall zu kompensieren. Ergebnis: Es wird allen Schweizer Bürgen schlechter gehen !

Lupe, der Satire-Blog hat gesagt…

at marc:

deine schlussfolgerungen sind reine spekulation. genauso gut kann es so heraus kommen, wie ich im kommentar vor deinem schrieb.

so hört wenigstens mal dieser ruinöse steuerdumpingkreislauf auf, der nur die reichsten entlastet und der die kantone schlussendlich ausbluten wird.

dass ein kanton wie schwyz probleme kriegen könnte, wenn zwei, drei reiche ins ausland ziehen würden, zeigt doch gerade, dass er seine finanzpolitik unseriös gemacht hat hat, denn ansonsten wäre er nicht abhängig von ein paar superreichen steuertouristen.

Anonym hat gesagt…

Tja. Die Feudalherren drohen, das Land zu verlassen, wenn das Volk sie in die Verarmung treiben will. Was wäre das Volch schon ohne diese Feudalherren? Womöglich ein Spürchen freier? Was mich betrifft, ich werde persönlich nachprüfen, ob sie am Tag nach der Abstimmung (die hoffentlich angenommen wird) das land verlassen. Wenn nötig auch gleich noch Hilfe "beim packen" leisten.

Wenn ein Volk (der Staat) sich nur noch durch das die Steuern der Reichen finanzieren kann, ist ohne hin was faul im Land. Besser wir kümmern uns jetzt darum, als später.

Ergo: Die Damen und Herren sollen gehen. Schleunigst. Man kauft sich keinen Staat, man erpresst auch kein Volk. Zumindest nicht hier. Und noch icht heute.

Weg mit dem Schmarrn`!

Marc Schweizer hat gesagt…

Sorry, aber soweit ich es beurteilen kann, treibt euch doch vor allem der Neid an.

Die angeblichen "Steuertouristen" wollen bei uns in der Schweiz leben, darüber sollten wir uns alle freuen, die nehmen doch keinem Schweizer Bürger etwas weg, im Gegenteil. (Und: ein Boris Becker und eine Tina Turner haben ihr Geld übrigens durch Leistung verdient!!!)

Peter Graser hat gesagt…

@ Marc, wenn jemand zu Lebzeiten ein eigenes Vermögen von 5 Milliarden Fr. oder mehr erwirtschaften kann, bedeutet das für mich lediglich, dass hier verdammt viele ARBEITER viel zu wenig für ihre Leistung erhalten haben.

Was viele Kritiker gerne verschweigen: Wenn ein paar wegziehen, aber auch ein paar bleiben, bezahlen die, die bleiben, dafür mehr. Aber die Skeptiker rechnen gleich mit dem finanziell "Schlimmsten" und lassen sich gerne vor den Karren spannen. Hat die Schweiz tatsächlich nicht mehr zu bieten als tiefe Steuern für Bonzen?

Es wird sich jedenfalls die Spreu vom Weizen trennen und man wird sehen, wer zur Schweiz steht und wer sie nur auspresst. Denn die Steuerlast für die Superreichen ist immer noch sehr moderat.

Ich muss ehrlich gestehen, nach all den Invaliden / Arbeitslosen / Rentner / Asylanten - Bashing ist das doch mal eine nette Abwechslung.

Und selbst wenn sie alle abhauen: Ich lasse mir die Schadenfreude, ihnen genüsslich beim Koffern packen zuzusehen, gerne etwas kosten.

Anonym hat gesagt…

laßt sie ziehen. ich fordere ein ende des monotären systems. schuld an der verelendung der massen ist das geldsystem gepaart mit massensuggestion bis zur vollkommenden verblödung.

Lupe, der Satire-Blog hat gesagt…

@alle:
ich freue mich vorallem darauf, dann zu sehen, in welche länder ein spuhler oder schindler dann ziehen. bulgarien? rumänien?

das interschweizerische gegeneinander ausspielen der kantone mit erpresserischen mitteln fällt ja dann weg

Anonym hat gesagt…

Die Jusos haben schon gehandelt. Sie haben Herrn Schindler ein Billet nach Bulgarien geschenkt. Das einzige Land in Europa, wo er, auch nach Annahme der Initiative, weniger Steuern zahlen muss.

sumpfnoodle hat gesagt…

Vielleicht fährt der Schindler-Lift-Chef mit seinem Lift dorthin. oder lässt sich dort günstiger "liften"

Anonym hat gesagt…

cRoger Federer hat auch Glück. Seine Zwillinge werden bald sprechen lernen, da kann ihnen Papas Esperanto nur hilfreich sein, für den anstehenden Flüchtlingsmarathon von Steuerparadies zu Steuerparadies.

second.thoughts hat gesagt…

@ marc schweizer : und warum wohnt becker in der schweiz ? weils billiger ist als in deutschland.... wenn ich dann deiner argumentation folge , müssen alle anderen deutschen weil becker in die schweiz ging mehr steuern zahlen ... also sind dann die schweizer profiteure , die sich durch steuerdumping geld anderer länder unter den nagel reissen ... oder sehe ich da etwas falsch ? und wohin soll das führen ? jeder unterbietet jeden , bis der staat nur noch durch lohnsteuern finanziert wird ? ich bin eh dafür dass man da steuern zahlt wo man geboren , aufgewachsen und ausgebildet wurde
... zuerst im leistungszentrum von deutschem steuergeld subventioniert tennis spielen lernen , und dann später nichts zurückgeben wollen ist eh arsch ;)

Andreas Kyriacou hat gesagt…

118 Milliardäre hat die Schweiz gemäss Bilanz. Und ein halbes Dutzend davon droht mit Selbstausschaffung. So bloody what?

Das dirty half-dozen ist nicht repräsentativ. Sollen sie weiter ziehen. Die anderen wissen, was der Denk- und Werkplatz Schweiz ihren Unternehmen zu bieten hat.

Marc Schweizer hat gesagt…

Nicht alle Reichen sind "Bonzen" oder "Abzocker"...und wer umverteilen will, der muss erst einmal über Einnahmen verfügen die verteilt werden können. Denkt auch z.B. mal an die AHV-Beiträge da zahlen die reichen "Bonzen" nämlich sehr viel ein ohne viel zurückzubekommen...übrigens stützen sozial gut gestellte Einwanderer unser Sozialsystem, die sozial schwachen Einwanderer schwächen es. tendenziell.

@secondthoughts: "ich bin eh dafür dass man da steuern zahlt wo man geboren , aufgewachsen und ausgebildet wurde". Genau aus diesem Grund hat die DDR auch eine Mauer um ihr Land gebaut...da gabs dann keine Steuerflüchtlinge mehr!

Lupe, der Satire-Blog hat gesagt…

hab grad einen beitrag über die steueroase zug gelesen. das ziehen mittelständler reihenweise aus, weil praktisch alle wohnungen doppelt so teuer sind, wie in anderen kantonen. eine familie die seit generationen in zug lebte, schilderte, wie sie in praktisch allen gemeinden nach einer einigermassen bezahlbahren mietwohnung suchten. vergeblich.

das also ist die folge der steuerflüchtlinge und der gierigigen finanzminister, die lieber viel reiche anlocken, anstatt für ihre bürger für anständige wohn- und lebensbedingungen zu sorgen.

Infomagazin hat gesagt…

Auf den Punkt gebracht, gebe es nur sehr wenige Millionäre oder Milliadäre. Sie brauchen Arbeiter, die für sie Werkstücke herstellen. Herr Stadler würde mit seiner Familie maximal 2 Strassenbahnen im Jahr zusammen schweissen können. Die Steueroasen in der Schweiz wurden fleissig genutzt - jetzt möchte man abziehen. Drohungen - nein, eher ein Rüpser von satten Geldeintreibern. Sie sollte man wie die Sozialhilfebezieher auf die Strasse zum Kehren schicken. Frau Schickedanz (Quelle) war superreich. Jetzt hat sie glaube ich ihre Lektion gelernt. Manche deutsche Firma kehrt aus Ungarn und Rumänien zurück. Die Qualität der Produkte wurde einfach schlechter. Aber, sie sollen es doch probieren und vorher ihre ganzen steuerlichen Erleichterungen zurückzahlen. In der EU weht ein anderer Wind. Das sind unsere verweichlichten Unternehmer gar nicht mehr gewohnt.

Anonym hat gesagt…

Spuhler relativiert: Es sei kontraproduktiv gewesen, zu drohen. Kontraproduktiv? Ja, will er sagen, die ganze Droherei sei reine Abstimmungstaktik gewesen? Feudalherrenerpressung sozusagen.

Aber aber: Das sind doch alles volksnahe Patrons, nicht wahr. Denen das Wohl der Schweiz und ihrer Arbeiter am Herzen liegt.

Nein, nein. Wird die Initiative angenommen, dann sollen/müssen/dürfen sie zwingend gehen! Arbeitsplätze bauen sie ab, genauso wie verludderte Manager. Und ihre Würde haben sie verkauft!

Ab nach Bulgrarien. Dort lassen sich Regierung und Volk gerne von Feudalherren lenken. Hier nicht!

Hardrocker hat gesagt…

Lest mal, was der Altlinke Chris von Rohr so über die Linken sagt:

http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/chris-von-rohr-ist-fuer-die-ausschaffungsinitiative-101047993

"Ich merkte schnell, dass diese Spezies genau das tut, was sie früher bei anderen kritisierte: mehr Staat, überbordende Regulierung und das mit dem Portemonnaie der anderen – so kann man die Ungerechtigkeit dieser Welt aber nicht bekämpfen."

Bravo, Chris von Rohr ! Sie haben durchgeblickt...dieser Durchblick fehlt leider vielen Schweizern die sich für "gebildet" oder für "kulturvoll" halten.

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