14.04.2009

Wenn intellektuelle Bildungsturbos im stillen Kämmerlein tüfteln

für einmal lieferte mir ein aufmacher der weltwoche stoff für einen satire-freien beitrag. es ging um kritik an der ungebremsten reformitis im bildungsbereich. bis auf die fehlende ausgewogenheit (es kamen nur kritiker der bildungsreformen zu wort), fand ich den artikel sehr gut und würde sogar viele kernaussagen des artikels unterschreiben: Revolte der Realisten (weltwoche)

seit den 90er jahren versucht man im bildungsbereich mit aller kraft verpasstes nachzuholen. sicher richtig. nur sollte dies auf eine seriöse art und weise passieren. doch hastig reihen intellektuelle bildungspolitiker und erziehungsdirektoren reform an reform. der amtsinhaber in den erziehungsdirektionen versucht jeweils seinen vorgänger noch zu überbieten. was ed-chef buschor in zürich konnte, kann schliesslich eine regina aeppli schon lange. bildungsreform reiht sich an bildungsreform, in einem tempo, so dass einem schwindlig wird. bedenklich an der ganzen sache: ausgetüftelt wurden diese reformen fast ohne ausnahme von theoretikern oder bestenfalls ehemaligen lehrkräften, die vor jahren ihren job aufgaben. die leute an der basis, die praktiker, stehen lange nicht mehr hinter allen reformen, weil sie die gefahren derjenigen erkennen.
.
noch mehr zum nachdenken anregen sollte die tatsache, dass reform an reform gereiht wird, bevor die alte seriös ausgewertet worden ist. aufgelistet hat einen grossteil der reformen der letzten jahre vor einem jahr bereits der "web-kommentator" in einem lesenswerten, ausführlichen beitrag zur reformitis im bildungssystem . er rät den verantworltichen dringend: "evaluiert den status quo einmal richtig und wertet die laufenden schulversuche zuerst seriös aus, bevor ihr neue startet." recht hat er.

im schlepptau der pisa-studien wird gar vieles hastig über den haufen geworfen, umgestülpt und urplötzlich sind die kopflastigen fächer wieder im aufwind. sprachen, frühsprachen, ja am liebsten sogar den zeichnungs- und werkunterricht in einer fremdsprache erteilen, dies das ziel der sprachwissenschaftler. zum glück werden die turbos hie und da wieder an der urne gebremst. leider kommen dann, nebst den unrealistischen reformen, auch die sinnvollen unter die räder.

.........
zum thema reformen im schulbereich:
Revolte der Realisten (weltwoche, april 09)
mehr zum thema bildung:

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wäre nicht ein rotes satirefrei-bildchen gepostet worden, würde ich meinen, Sie verarschen die Weltwoche/SVP.



Es werden nur die Begriffe intellektuell, Theoretiker,... nach stammtischart in den Schmutz gezogen, sonst sagt der "Artikel" gar nichts aus.

Lupe hat gesagt…

gebe zu, an der einen feststellung ist was wahres dran. da ist wohl die polemik etwas mit mir durchgegangen. den kern der sache trifft es aber.
bildungspolitiker sollten wieder näher an der praxis, oder anders gesagt, zusammen mit allen beteiligten schulmodelle entwickeln, so käme es nicht zu solch unnötigen niederlagen bei volksabstimmungen, wie in letzter zeit.

dass der artikel gar nichts aussagt, dies ist ansichtssache.

meine kernaussage - nebst der fehlenden praxisnähe vieler schulpolitiker - ist, dass man, bevor ein versuch gestartet wird, den ist-zustand aufnehmen und nach einem versuch, denjenigen auch seriös auswerten sollte.

anfügen könnte man noch, dass es sinn machen würde, einen versuch, resp. eine reform nach der anderen zu starten und nicht wie in letzter zeit, wild durcheinander. den die einen reformen beeinflussen das ergebnis der parallel laufenden reformen oder versuche. eine seriöse auswertung eines einzelnen versuches ist so fast nicht mehr möglich.

aber das ist wohl die problematik, wenn zu vieles davor liegenblieb und man nun - mit bester absicht - alles sofort ausbessern will.

übrigens hätte mich noch deine meinung zum thema interessiert. aber, die kritik, die du bei mir anbringst, könntes du auf deinen kommentar fast auch anwenden.

Sly hat gesagt…

at anonym: Weltwoche=SVP. Ok. Aber die Kritiker in dem WeWo Artikel sind eher links. Aber arbeiten halt in der Realität.

Anonym hat gesagt…

Ich schliesse mich Anonym (1) an.

Selbstverständlich sind Lehrer nicht glücklich über die "Reformitis". Ich bin überzeugt, sie wären es auch nicht, wenn sie unterrichten müssten, wie in den 50iger Jahren.

Der Artikel missbraucht die verunsicherten Lehrer (verständlich) um über die "Bildungsdebatte" das reaktionäre (Silviablocherevahermanprinzip) neu zu lancieren. Billig, undifferenziert, populistisch, wie immer.

WW- Schrott. Halt.

;-)

Lupe hat gesagt…

@anonym(2):
sicherlich ist die auswahl der zu wort kommenden sehr subjektiv gewählt, dies ist ja auch die kritik die ich am ww-artikel anbringe.
im ww-artikel kommen allerdings nicht nur lehrer zu wort, die kritisieren. auch psychologen, die tagtäglich mit kindern zu tun haben.

@alle:
die feststellung, die jugendpychologen machen, dass immer mehr schüler sich aus irgend einem grund überfordert fühlen (mehr fächer, mehr stoff, umfangreichere bewertungen, gruppendruck) sind wichtig im hinblick auf all die reformen. denn der druck wird sich erhöhen.

der integrative unterricht bringt nicht nur verbesserungen. habe vor bald 14 jahren ein solches modell mitinitiiert. eines darf man nicht vergessen. ein solches modell löst ängste und psychologischen stress bei jenen schülern aus, die von einer kleinklasse plötzlich in eine regelklasse wechseln. in eine klasse, in der fast alle anderen viel besser und viel schneller mit den arbeiten fertig sind. wird bei ihm darum das leistungsziel tiefer gesteckt, so ist er erneut ausgestellt. nicht alle jugendlichen können diesen druck verkraften und suchen ein ventil, das nicht unseren vorstellungen entspricht.

Lupe hat gesagt…

@ alle anonymen:¨

ihr macht es euch sehr einfach mit dem rundumschlag gegen den ww-artikel.
über den stil des redaktors oder den artikel ganz allgemein, darüber kann man streiten, einverstanden.

mir ging es um den inhalt der aussagen der interviewten. was sagt ihr konkret dazu? warum sind die schrott?

David hat gesagt…

Der Weltwocheartikel ist alles andere als Schrott und überhaupt nicht SVP-lastig. Im Gegensatz zur SVP-Stimmungsmache enthält der Artikel sachliche Kritik, auch wenn sie manchmal etwas an der Oberfläche bleibt - das hat aber auch damit zu tun, dass es in der Schweiz 26 verschiedene Schulsysteme gibt und darauf nicht en detail eingegangen werden kann.

Eines der Hauptprobleme in der Schule ist tatsächlich, dass die Probleme in der Praxis von der Verwaltung kaum wahrgenommen werden.

Anonym hat gesagt…

Na, wer sagts denn :-)

Der Schrottartikel des Schrottblättchens hatte doch eben bloss den Sinn, die ideologische, reaktionäre "Bildungsstammtischdebatte" der "Bildungspolitker" der SVP zu lancieren. Hutter und Schluer propagieren eine "neue Leistungsorientierte Schule". Sind ihrerseits, wie üblich, nicht in der Lage (und Willens) die Leistung zu erbringen und die Fragen differenziert zu und ehrlich zu debattieren.
etwas Ideologie (Die Theoretiker sind natürlich alles 68iger)reicht doch, um diese Thematik SVP like zu bewirtschaften. Der WW Artikel sollte etwas Pseudounterfütterung dazu liefern. Mehr nicht.

Hutter ist zudem das lebendige Beispiel für den "Erfolg" des "unvollkommenen" Bildungssystems. Ihre Plattidüden zeugen von mangelnder Denkfähigkeit und ihre Aussagen sind durchgänig "kreuzdumm". Viele kleine Hutterlis möchte sie, zusammen mit Schluer produzieren. SVP Nachwuchs, sozusagen :;-)

Naja, wenn die SChule den Kids gleich noch einen Vater mit einer Firma zur Verfügung stellen könnte, wären auch kleine Hutterlis versorgt und könnten trotz "Einschränkungen" in der Wirtschaft bestehen.

Oder so ;-)

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