23.08.2008

SVP-Bildungstagung: Vorwärts in die Vergangenheit

satirefrei, aber mit ironie und zynismus gespickt
.
wie der letzte schnee kommt kommt aktuell die schweizerische svp daher und will die bildungspolitik "neu" gestalten. heute diskutiert sie in sursee die bildungspolitik der grundschule.

besprochen wird - so heisst es intern - ein thesenpapier ihrer majestät, königin silvia blocher (gattin des ex-bundesrates, der es gerne noch einmal werden würde, weil seine frau die erste bundesrats-phase so genoss).

kurios: die volks-abstimmungen in verschiedenen kantonen über zwei fremdsprachen (nebst deutsch) in der primarschule hat die svp völlig verschlafen, ebenso die abstimmungen in kantonsparlamenten bezüglich "harmos", dem projekt, in dem es um die harmonisierung der bildungslandschaft in den kantonen geht.

nun wollen sie subito die schweiz der zwanzigerjahre zurück in die schulstuben bringen: keine harmonisierung unter den kantonen, wiedereinführung klarer noten, das klassenlehrersystem (ein lehrer pro klasse), mehr disziplin, mehr disziplinarische instrumente für den lehrer (vermutlich ohrfeigen und co), keine tagesschulen oder tagesstrukturen, mehr leistung, weniger larifari.

in vielem mag die svp recht haben. die erziehungs-und bildungslandschaft ist eine reine baustelle. versuche über versuche, keine seriöse auswertungen. der web-kommentator hat das bildungsdilemma trefflich zusammengefasst . gehe mit ihm völlig einig. (übrigens schade, scheint der eine künstlerische pause eingeschaltet zu haben). im grundsatz gebe ich den reformern recht: die zeiten haben sich geändert, das altertümliche svp-rollenbild (mutter am herd, vater arbeitet, dazu ein paar kinder) entspricht nicht mehr der realität. diesen neuen familien-strukturen muss sich die schule anpassen, ob sie will oder nicht. allerdings sollte man neue systeme genau analysieren, den ist-zustand aufnehmen, die versuchsphase auswerten und erst dann entscheiden. wichtig auch, dass nicht nur die intellektuelle elite über die zukunft der bildung schweiz entscheidet.

bin gespannt, ob die turbo-bildungs-reformerin der edk (erziehungs-direktoren-konferenz), svp-regierungsrätin rosmarie widmer-gysel aus schaffhausen, in sursee auch auftritt, oder ob sie redeverbot bekommen hat. widmer-gysel ist explizit für tagesschulen, für harmos, für integrativen unterricht, für fremdsprachen usw. sie hat übrigens damals eveline widmer-schlumpf für ihre wahl in den bundesrat (was zur abwahl von parteikollege blocher führte) gratuliert und ihr viel kraft und energie für die zukunft gewünscht.

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zum thema:
SVP fordert konservative Wende (20min, 23.8.08)
Nach den Kampfhunden die Kampfeltern
Bremst die hyperaktiven Bildungsturbos (web-kommentator)
1984 hält Einzug im Bildungswesen
Multimediales Spicken 2.0 (Karikatur und Video)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Den forderungen der svp stimme ich als mutter in jedem punkt voll! Was heute in den schulen abgeht, ist nicht mehr tragbar!

Shenaja

m hat gesagt…

Tja, liebe Frauen, wenn die SVP die Bildungspolitik bestimmt, dann heisst es ziemlich schnell: Zurück an den Herd. Denn diese Partei propagiert schon lange das System mit einem arbeitendem Vater und einer erziehenden Mutter.

Das dies völlig an den aktuellen Realitäten vorbei geht, wird von diesem Alt-Herren-Club gefliesentlich ignoriert. Schliesslich liegt es ja an der Frau, dass ihr der Mann nicht davon läuft bzw. Frauen, welche ohne Mann ein Kind gross ziehen wollen, sind sowieso selbst schuld.

Wollen wir das wirklich?

(Es zeigt nur mal wieder, dass die SVP sich ihre Realität selbst zusammenbastelt, frei nach dem Motto, "wir haben uns das jetzt so zurechtgelegt, verwirren sie uns nicht mit Tatsachen".)

Anonym hat gesagt…

die klassische zwei-eltern-familie existiert nun mal nicht mehr
Soso. Und wann bitteschön organisiert mir der Autor dieser zweifelhaften Aussage meine Zweitfrau, damit er Recht hat?

lupe hat gesagt…

at anonym mit der zweitfrau:
wäre ganz einfach gewesen: du hättest die erste behalten müssen (zusätzlich zur zweiten) anstatt nur zu wechseln.

aber du hast recht, eine formulierung mit "elternteilen" wäre etwas klarer gewesen.

at die ersten beiden:
gebe beiden recht. man kann sich, nebst allen sinnvollen reformen auch zu tode refomieren. insbesondere, wenn man alle auf einmal durchziehen will.

Lupe hat gesagt…

habe nun die "zwei-eltern" passage noch angepasst.

Anonym hat gesagt…

jetzt gehts mir wieder gut ;-)

Anonym hat gesagt…

"das altertümliche svp-rollenbild (mutter am herd, vater arbeitet, dazu ein paar kinder) entspricht nicht mehr der realität."

Ich würde behaupten hat über die Zeit gesehen NIE oder höchstens nur kurze Zeit in ganz wenigen Familien existiert. Es ist wie die ganze SVP ein komplette Verklärung der Vergangenheit eine allgemeine Wahrnehmungsstörung wie so vieles aus der guten alten Zeit.

Zum Leidwesen unser alle, leiden die Politiker, bzw. Etatisten von Mitte-Links und Heimatschützer von Rechts allesamt unter massiven Wahrnehmungsstörungen.

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