19.08.2008

Nach den Kampfhunden die Kampfeltern

in schaffhausen diskutierte der kantonsrat gestern drei stunden lang fast nur das abstimmungsverfahren und -verhalten in bezug auf ein kampfhundeverbot. vorerst entschieden ist nur, dass hundegesetz und kampfhundeverbot der bevölkerung getrennt zur abstimmung vorgelegt werden sollen.

folgen auf die kampfhunde nun die kampfeltern, wie die "nzz am sonntag" vorgestern berichtete? denn in immer mehr schulen seien aggressive eltern ein riesen problem. überhaupt häuften sich in den letzten jahren medienberichte, in denen von schwierigen erziehungsberechtigten die rede ist. diese eltern täten alles, um ihren kindern die besten noten und das beste schulleben zu ermöglichen, um ihnen jegliche steine aus dem weg zu räumen. immer öfters würde lehrern oder schulleitern von besonders renitenten eltern mit rechtlichen schritten gedroht. der gang zum anwalt werde immer häufiger beschritten und sei es nur, weil der schulweg in den augen der eltern zu lang oder die notengebung nicht ganz den erwartungen der eltern entspreche.

eltern können, wenn es um das wohl ihrer kinder geht, überreagieren, zu emotional agieren. auffallend dabei, dass nicht selten eltern von leistungsstarken schülern dazu neigen, genau zu wissen, wie es in der schule eigentlich sein müsste und bereits aufmarschieren, wenn ihr kind ausnahmsweise mal irgendwo nur eine 5 oder eine 4 1/2 hat.

aber es gibt zum glück auch die vielen anderen eltern, die mittragen, mitgestalten und zusammen mit den lehrern am gleichen strick ziehen. und es gibt natürlich auch die lehrer, die den begriff selbstkritik vom hörensagen kennen. allerdings sind diese eher am aussterben, da die jüngere generation lehrer viel offener ist.

was in vielen unserer schulen noch fehlt, sind gefässe, wo solche konflikte auf einer sachlichen ebene angeschaut und diskutiert werden können. mediatoren, die bei absehbar heiklen gesprächen beigezogen werden können oder elternräte, die das heisse eisen bereits etwas abkühlen können.

warum diese steigerung unzufriedener, agressiver eltern? die anforderungen an die schüler steigen stetig, neue fächer, neue inhalte, neue beurteilungssysteme. dies erhöht auch den druck auf die eltern, ihr kind in die besten beruflichen startpositionen zu hieven. dazu kommt der spardruck der kantone, der zum beispiel zur folge haben kann, dass klassen zusammengelegt oder schüler einem anderen schulhaus zugeteilt werden. erneut stoff für konflikte. und es gibt immer mehr eltern, die ihr kind schlicht überbehüten.

wege aus der krise: allgemein lässt sich sagen, wer gut informiert ist, immer auf dem aktuellen stand der dinge, der wird weniger schnell überreagieren. es ist klar, dass eltern in entscheidungsprozesse nicht immer einbezogen werden können. aber man darf nicht versäumen, ihnen die kriterien, die zu solchen entscheidungen führen, vorgängig zu erläutern. lehrer machen hie und da die fehler, die eltern zu wenig über vorhaben oder den leistungsstand ihrer kinder zu informieren, auch im vergleich mit den anderen schülern. wer gut informiert ist, wem das schulleben transparent erscheint, der wird weniger klagen, der wird weniger reklamieren. allerdings sollten eltern auch lernen, ihre kinder nicht überbehüten zu wollen, ihnen nicht jeden stein aus dem weg zu räumen. denn dies schadet den kindern im späteren leben. oft ist eltern, die wegen jeder kleinigkeit in der schule antraben, gar nicht bewusst, dass sie die stellung ihres kindes innerhalb der klasse damit schwächen.
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zum thema bildung
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Bremst die hyperaktiven Bildungsturbos (web-kommentator)

Kommentare:

ZyNick hat gesagt…

Ist das jetzt Satire und ironisch, oder meinst du das wirklich so (was mir besser gefallen würde)

Lupe hat gesagt…

Der eine Zwischentitel mit dem Kampfeltern-Verbot ist ironisch gemeint, der Rest nicht.

Lupe hat gesagt…

habe den zwischentitel nun geändert und ein "satirefrei" eingefügt, damit es klar ist

Anonym hat gesagt…

lehrer sind wie alle fachkräfte mal mehr, mal weniger qualifiziert. schade, dass in dem artikel nur die selbstkritik von lehrern angesprochen wird. wie ist es mit der qualifikation von lehrern? sind sie alle so gut? oder ist es einfach nicht zulässig zu erwähnen, dass es auch unter lehrern solche gibt die lieber einen anderen beruf gewählt hätten?

lupe hat gesagt…

at anonym:

gehe mit dir einig, es gibt schwarze schafe auch bei den lehrern. faule oder unfähige wie in jedem beruf

früher wurden die schwärzesten schafe von den schulbehörden kaum an die kandarre genommen. heute ist dies besser.

aber eben es gibt auch schwarze schafe unter den eltern: in einem schulhaus in der nähe haben eltern eine lehrkraft weggemobbt, die noch nicht einmal im schulhaus begonnen hatte.

Dietmar hat gesagt…

Ich gehe mal einen Schritt weiter. Wie wäre es mit "Kampfgesellschaft"?
Es geht doch nur noch um "Gold", den ersten Platz, besser sein, Ellenbogen einsetzen, Rennlisten und Ranglisten. Wer kein Hochschulstudium mit Auszeichnung vorlegen kann, sollte sich erst gar nicht mehr bei der Müllabfuhr bewerben.
Immer schneller,höher, weiter in immer kürzerer Zeit. Die dritte Fremdsprache schon im Kindergarten. Mobbing als Mittel der Motivation, Förderung des Kampfes (Wettbewerb genannt)unter den Mitarbeitern.
Haupt- und Realschulabschluss werden immer wertloser. Nicht individuelle Fähigkeiten werden gefördert, sondern alle sollen in eine Form gepresst werden, wie es dem Kapital gefällt. Erst G9, dann G8 und demnächst G7, lassen wir die Kindheit doch gleich ausfallen. Unser Leben ist werbebestimmt. Warum sollen denn nicht schon 12jährige im Call-Center Optionen verkaufen. Rumtoben und auf-Bäume-klettern ist doch unproduktiv. Und die Alten werden nicht mehr in der Familie gepflegt, sondern kommen in Pflege-Massen-Lager.
Vielleicht liegt es am Alter, aber ich sehe die (anti)soziale Entwicklung unserer Gesellschaft eher kritisch. Kein Wunder, wenn der Druck für Lehrer, Eltern und Kinder zu groß wird. Und bei Überdruck explodiert dann sehr oft der Kessel.
satire und Meinung

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