21.06.2010

Wenn NZZ und Tagesanzeiger über den Libyen-Deal schwärmen

es ist absolut peinlich, wenn zwei grosse zeitungen der schweiz in ihren kommentaren zum libyendeal und dem an gaddafi bezahlten lösegeld von rund 2 mio franken so richtig ins schwärmen kommen


Diktator Gaddafi hat die Schweiz vorgeführt
im kommentar in der gestrigen "nzz am sonntag" meint das blatt über das verhalten der schweiz: 
" ... Somit hat sie ihre schlechten Karten am Ende gut gespielt. Zur Erinnerung: Gaddafi führte kürzlich das grosse England vor, indem es dieses dazu brachte, einen angeblich todkranken Lockerbie-Attentäter freizulassen, der heute noch munter am Leben ist. Und die bulgarischen Krankenschwestern schmorten acht Jahre in Gaddafis Verliessen. Da sind zwei Jahre passabel, wenn auch für die Geiseln zwei Jahre zu viel. (fem.)"
man beachte den begriff "passabel". - ebenso peinlich ist der offizielle tagesanzeiger-kommentar in der printausgabe vom samstag, in der die zeitung vom tiefen lösegeld schwärmt, dass die schweiz gaddafi "nur" hatte bezahlen müssen. die schweiz habe super verhandelt, die rund 2 mio lösegeld seien nichts, gegen das, was bulgarien für seine krankenschwestern habe blechen müssen.
hinter welch abgeschirmten schreibtischen leben diese redaktionen? wie schlimm sind zwei jahre wohl für eine familie, die auf ihren vater wartet, für eine frau, die auf ihren mann wartet? wie schlimm sind zwei jahre des ungewissens für die geiseln sebst? wie schlimm ist es, wenn ein land für die freilassung zweier landsleute millionen hinblättern muss? welches signal ist dies für zukünftige geiselnehmer, wenn die schweiz kuscht, wenn die schweiz forderungen erfüllt und die bezahlten beträge sogar noch öffentlich kundtut? ich muss sagen, dümmere kommentare habe ich in diesen beiden zeitungen schon lange nicht mehr gelesen. 

Kommentare:

kikri hat gesagt…

Bis vor kurzem wusste alle Welt, dass man nur einen Schweizer entführen muss und man dann von der Schweiz alles haben kann.
Keine Demütigungsgeste, kein Kniefall ist zu gross.

Inzwischen weiss alle Welt auch, dass Schweizer wirklich ihr Geld wert sind.
Schweizer als Geiseln nehmen und dann seinem/ihrem Heimatstaat verkaufen kann sich zu einem lukrativen Geschäftszweig entwickeln.

Jemand gefangen nehmen und dann verkaufen?
Das ist Skaverei

normanno hat gesagt…

@Lupe: Tribut an eine Zeit in der irgendwie alles zum Computer-Game oder Realtiy-Show verkommt.
Wer will schon noch was von Schicksalen wissen...?
Du zum Beispiel - aber ist das auch bei den Redaktionen angekommen? Ich glaube kaum, dass irgendwer von denen bei Dir liest und zukünftig erst das Gehirn und dann die Hand zum Schreiben einschalten wird...
;-)

Anonym hat gesagt…

Diesmal kann ich Lupes Einschätzung nicht teilen. Wer in einem Willkürsystem mit 1,5 Mio und raffinierter Diplomatie, ein Menschenleben freikriegt, hat schon etwas Lob verdient. Die Neidgeplagte FDP versucht nun mit Dreckspielen die Sache politisch noch etwas auszuschlachten. Mit gütiger Mithilfe der Medien. (Für mich wäre es natürlich besser gewesen, wenn das Käseblatt aus Genf, den Betrag bezahlen müsste..)

Ganz abgesehen davon: Die Schweiz hat letzte Woche den Rechtsstaat geopfert um Kurer und co vor den Justizbehörden der USA "feizukaufen". Das ist der wirkliche Skandal. Die Parlamentarier haben, mittels Versenkung der PUK, auch gleich noch sich selber (und ihre Verstrickungen) "freigekauft".

Um von diesem skandalösen Deal abzulenken, inszenieren (vorwiegend FDP-ler) nun einen Hype zur Libyenkrise.

Pferdeflüsterer hat gesagt…

Wer zwei und zwei zusammenzählen kann, weiss seit heute, was schon länger vermutet wurde. vom herrliberg ist die weisung ergangen: für partei und fraktion ist es wichtig ueli, dass du einen militäreinsatz planst, den merz verschweigst, ihn in das messer laufen lässt und das ganze am ende calmy in die schuhe schiebst. dann rapportierst du mir, wies calmy und merz aufeinander los gehen, ich versorge über köppel die presse und dann haben wir auch dieses spiel gewonnen. wenn endlich merz und calmy abtreten wird das land nach mir rufen.
der chefstratege vom herrliberg.

Lupe, der Satire-Blog hat gesagt…

at anonym:

wer aber 2 mio lösegeld zahlt oder 1.5 mio "zurücklegt" und so dumm ist, zu verhindern, dass es öffentlich gemacht wird, oder selbst dazu beiträgt, der handelt alles andere als professionell.

und wenn kommentatoren dann die gemachten finanziellen "eingeständnisse" noch lobend erwähnen, ...

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