14.08.2011

Die TagesWoche und andere dümmliche Zeitungstitel

im herbst soll in basel die "tageswoche" starten. ein onlinemagazin mit einer wöchentlichen printausgabe. folgt nach der "tageswoche" bald das "monatsjahr"?


dümmliche zeitungstitel gibt es schon lange. bekanntestes beispiel ist sicherlich die "bild". warum ein medium, in dem das schriftliche wort und reisserische schlagzeilen eine zentrale rolle spielen, sich "bild" nennt, ist doch erstaunlich. fairerweise muss man sagen, dass das deutsche revolverblatt sich zu beginn "bildzeitung" nannte.

das schweizer pendant "blick" kann immerhin mit "blick in die welt" assoziiert werden. will man den lesern "die welt" erklären, so kann man ihnen den "spiegel" vorhalten. "die zeit" kann in worten festgehalten werden. lustig wird es, wenn zeitungstitel auf biegen und brechen ihren alten titel beibehalten. so nennt sich die nzz immer noch neue zürcher zeitung, obwohl sie, zwar von hoher journalistischer qualität (nicht politische ausrichtung gemeint), alles andere als eine "neue" oder topmoderne zeitung ist. auch auf regionaler ebene halten sich die dümmlichsten fast über jahrhunderte. bestes beispiel dafür ist die der svp nahestehende "schaffhauser nachrichten". die inzwischen einzige schaffhauser tageszeitung nennt sich im titel - zwar kleingedruckt - immer noch "schaffhauser intelligenzblatt"

jugendlichkeit spielt auch eine wichtige marketing-rolle im medientitel-bereich. die "junge welt" oder die "junge freiheit" zählen zu jenen titeln. daneben gibt es auch einige verhaltensoriginelle exemplare. ein beispiel: "die furche" will entschleunigung seit 60 jahren.

irgendwann begann man, medienerzeugnisse mit zeitrechnungs-einheiten als titel zu verwenden: dazu zählen der freitag oder die 4. schweizer sonntagszeitung, "der sonntag", die man leider (wirklich leider) in unserem kanton nicht abonnieren kann. neu soll basel, als konkurrenzprodukt zum monopol der basler zeitung unter rechtsauleger-führung, nach den wahlen im september die "tageswoche" erhalten. einen guten start wünsche ich der basler alternative von herzen.

aufgrund des namens der neuen basler zeitung wagen wir doch mal eine prognose. die nächten titel werden lauten: "der morgen",  "morgentag", das "monatsjahr", die "sekundenstunde" oder einfach "der mittag"

... habt ihr noch weitere ideen?

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Haben klassische Zeitungen ausgedient?
Rechts-Rutsch bei den Printmedien
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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie wäre es mit "Satzworte", "Buchstabendruck","hirnFickAmAbend" "20sek." (wenn man im Zug/Bus infolge tourettartigen Blicks auf des Nachbars Pendlermüll 5x zum raschen Lesen einzelner Schlagzeilen wie "Baschi schwanger - von einem Pony?" genötigt wird, kommen da gut und gerne 20 Sekunden zusammen. Länger sollte man sich diesem Dünnschiss aus "Worten" nicht aussetzen, man könnte gut und gerne zur Masse der Fastread-Gesellschaft abrutschen und erst recht aussätzig werden.

Naja, hauptsache es rast, lärmt, glänzt und hat riesengrosse Titten!

Anonym hat gesagt…

Scho recht; so eine Zeitung der Freien Deutschen Jugend ausgerechnet Junge Welt zu nennen ist, ist sicher völlig hirnrissig. "Gerontokratie heute" wäre bestimmt passender.

Florian hat gesagt…

Im schönen Trier an der Mosel heisst die Tageszeitung "Trierischer Volksfreund" - auch ein Highlight der deutschen Presselandschaft (der Titel, zum Inhalt kann ich wenig sagen ;-))
www.trierischer-volksfreund.de

Viele grüße
Florian

thomas hat gesagt…

Was ist gemeint mit "basler zeitung unter rechtsauleger-führung"? Sehr leicht rechts, o.ä.?

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