16.02.2010

Bundesgericht: Kirche darf ganze Nacht bimmeln

stur und fundamental: sie wünscht den menschen mehr stille und ruhe, gönnen mag sie es den eigenen schäfchen aber nicht, die reformierte kirchgemeinde gossau (schweiz).

"2010, das jahr der stille"
... so der titel des aktuellsten beitrages auf der seite der refomierten kirche gossau.
"sehnen sie sich auch nach mehr ruhe und innerer sammlung?"
... die einleitenden worte des folgenden textes. aber lest selbst:
 

schön! wunderbar! täte uns allen gut. löblich, was sich die kirchenleitung für ihre mitmenschen wünscht. nur, die erwähnte stille und ruhe mag die reformierte kirche gossau dann den eigenen schäfchen doch nicht gönnen: die ganze nacht durch erklingen viertelstundenweise die krichenglocken. wer in der nähe wohnt und sein fenster nachts offen hält, kommt kaum zum schlaf. doch dies lässt die kirchenleitung kalt. stur und kompromisslos hält man am durchgehden gebimmel fest.
 
nachdem ein anwohner zuerst anregte und später rechtlich verlangte, dass das glockengeläute ab 21:45 bis 06:00 einzustellen sei, entschied nun das bundesgericht, die glocken dürften weiterhin die ganze nacht durch läuten. begründung des bundesgerichtes: "an der aufrechterhaltung der tradition des nächtlichen zeitgeläuts besteht ein überwiegendes Interesse." zudem entspreche es einer alten tradition.
 
liebe fundamentale, protestantische kirchgemeinde: worin liegt denn das interesse oder der sinn, dieses nächtlichen geläutes? will man die bevölkerung zwangsweise mit protestantischem glockenklängen eindeckeln, analog zu den muezzin-rufen der muslimischen moscheen? wir leben doch im 21. jahrhundert und da wäre es absolut kein göttlicher verlust, das gebimmel zwischen den erwähnten zeiten einzustellen. dies wäre zudem bereits ein kompromiss, da viele berufstätige spätdienst oder nachtdienst haben und morgens sogar froh wären, das geläute würde noch später einsetzen.
 
aber eben, kirchliche nächstenliebe und rücksicht aufeinander hört dort auf, wo der fundamentalismus beginnt.

apropos alte tradition: für die "tradition der nachtruhe" und gegen glockengeläut kämpft seit langem die ig-stiller:
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bericht zum bundesgerichts-entscheid: tagesschau
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zum thema passend: Nach Minaretten: Anti-BimBam-Initiative gestartet

Kommentare:

kikri hat gesagt…

In der Zeit, in der alle eine Uhr haben, hat des Geläute keinen Sinn mehr.
Höchstens noch als Machtdemonstration, sicher als Ärgernis.

a propo Tradition:
Früher war es auch mal Tradition, seine Kinder zu verprügeln.
Sollen wir das unter der Flagge Tradition wieder so handhaben?
Nein

sumpfnoodle hat gesagt…

nebst der Machtdemonstration eine dumme blinde Sturheit. Religiöser Fundamentalismus halt.

Lupe hat gesagt…

ihr habt wohl beide recht. wäre schön, noch eine stellungnahme der kirchgemeinde zu lesen.

Ignaz K. Rhabarber hat gesagt…

Eigentlich zeugt es doch von Luxus, Traditionen, die schon längst von ihrem ursprünglichen Nutzen abgenabelt wurden, sinnlos weiterzuführen.
Oder anders gesagt: Wieso soll man Etwas, das schon immer so war, ändern? Ach ja, vielleicht weil es keinen Nutzen bringt und die allermeisten, Ewiggestrige ausgenommen, stört? Wahrscheinlich ändert sich solange nichts, bis jemand den volkswirtschaftlichen Schaden beziffert, der durch die nächtliche Weckung der arbeitenden Bevölkerung durch das Gebimmel entsteht.

Lupe hat gesagt…

es ist wie bei der ubs: die kirche versteht es, wirkungsvolle, aktive imagepflege zu realisieren.

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