02.01.2011

Rückruf: Spiegel-Jahrbuch 2010

das gab es noch nie: ein medienverlag ruft ein jahrbuch zurück, weil zu viele käufer sich über den fehlenden monat dezember beschwerten. doch am 10. januar 2011 könnte ein solcher rückruf tatsache werden. dann, wenn ihr, liebe leser, reagiert und reklamiert, versprach spiegel-chef saffe.

lachnummer des jahres: 'das jahr 2010' des spiegel.

anfang dezember war es bereits zu kaufen: das grosse, tolle, spiegel-jahrbuch 2010. spiegel wollte rechtzeitig zum grossen weihnachtsgeschäft kohle machen und nahm darum in kauf, dass praktisch der ganze dezember fehlte. kein schneechaos, kein bahnchaos, keine teflon-merkel, keine peinlichen wikileaks-enthüllungen über die politiker der welt, kein assange und kein wort über die grosse krise des guido dead-man-walking westerwelle.


stellungnahme 'der spiegel':

lupe, der satire-blog wollte darum von den spiegel-verantwortlichen wissen, wie sie sich dazu stellen, dass 1/12 der relevanten ereignisse des jahres 2010 im spiegel-jahrbuch fehlen.  es sei halt so usus, dass man vor weihnachten bereits jahrbücher herausgebe, meinte ein sichtlich unbeeindruckter chefredakteur mathias müller von blumencron gegenüber lupe. co-chefredaktor georg mascolo schlug in dieselbe kerbe: "sehen sie, ein wenig fehlender schnee regt keinen spiegel-leser auf und die thematik westerwelle wird auch über den januar hinaus aktuell bleiben".

ove saffe: "wenn tausend reklamieren, drucken wir eine neuausgabe"

wir wollten es genauer wissen und fragten spiegel-verlag-geschäftsführer ove saffe um seine meinung. unser einwand: es sei absolut peinlich, wenn ein renommierter verlag wie der spiegel solch unvollständige jahrbücher herausgebe. eigentlich müsste 'spiegel' ein dermassen fehlerhaftes produkt, wie dies toyota jeweils tue, zurückrufen. saffe liess sich laut lachend zur aussage verleiten: "wenn sich jetzt tausend leser, resp. käufer des jahrbuches, bei uns vehement beschweren, so werden wir es zurückrufen."
auf die frage, ob die käufer dann ein revidiertes jahrbuch mit schnee, assange, hackerattacken der wikileaks-anhänger und westerwelle-fall erhielten, meinte der herausgeber lakonisch: "wer anfang dezember ein jahrbuch 2010 kaufte, der ist selber schuld, der weiss, dass zu diesem zeitpunkt gar kein volles jahr abgebildet werden kann. darum sind diese spekulationen hinfällig." auf ein energisches nachhaken, was denn passiere, wenn jene leser, die 'das jahr 2010' erst im januar kaufen, zu hunderten reklamieren, meinte er schliesslich: "wenn bis zum 10. januar wirklich tausend protestieren, werde ich einen neudruck veranlassen. aber, wie gesagt, das können sie vergessen, weil spiegel-leser weder für etwas auf die strasse gehen noch protestmails wegen solch einer lappalie verschicken. solche aktionen machen wikileaks-anhänger, aber nicht spiegel-leser".

spiegel-leser sind also zu brav und gleichgültig. na, dann mal los, liebe leser! machen wir im januar 2011 dem spiegel mal web 2.0 - mässig dampf. schreibt emails, bombardiert den verlag mit sms oder anfragen.

zufällig habe ich hier ein paar angaben für mögliche aktivitäten: 
Adresse: SPIEGEL-Verlag, Brandstwiete 19, 20457 Hamburg
Telefon: 040/3007-2687, Fax: 040/3007-2966,
E-Mail: Spiegel@spiegel.de
Spiegel-onlinehttp://www.spiegel.de/

musterbrief:

Liebe Spiegel-Redaktion
Ich kaufte mir im Januar 2011 das Jahrbuch "Das Jahr 2010" aus Ihrem Verlag, in der berechtigten Annahme, dass darin alle wichtigen Ereignisse des Jahres aufgelistet sind. Doch stellte ich fest, dass fast der ganze Dezember 2010 fehlt. Über die ganze Wikileaks-Affaire, das Schneechaos, das Versagen der Bahn und den tiefen Fall des Guido Westerwelle wurde kein einziges Wort verloren. Ein Jahrbuch, in dem praktisch der ganze Dezember fehlt, ist für mich nicht akzeptabel. Ich bitte Sie, mir den Kaufpreis des Jahrbuches zurückzuerstatten oder mir eine neue Version des Jahrbuches, in dem auch der Dezember enthalten ist, zuzustellen.      
Ich freue mich auf Ihre Antwort. 
Mit freundlichen Grüssen


......
auf facebook gibt es die neue gruppe*: "Aktion "Rückruf Spiegel-Jahrbuch 2010"
.......
*update aug 2011: da ich mein facebook-konto löschte und nur noch eine facebook-fanseite habe, ist dieser link hinfällig

Kommentare:

berndnh hat gesagt…

Ihre Probleme möchte ich mal haben! Spiegel liest man doch nicht mehr, weil er sich doch von der Blödzeitung nicht mehr unterscheiden lässt! Und die liest doch auch vernünftiger Mensch mehr.

Lupe, der Satire-Blog hat gesagt…

Jaja, die BILD Zeitung, keiner liest sie aber Umsatz macht die! :-)

Anonym hat gesagt…

Im Jahr 2004 ist auch der Tsunami in keinem Jahresrückblick zu sehen gewesen! Das ZDF hat früher immer "Album - Bilder eines Jahres" an Silvester mit Wiederholung an Neujahr gesendet. Auf Anfrage sagte man mir, dass man eben aktueller als andere Sender sein wolle, und kein Mensch wolle eben im neuen Jahr mehr einen Jahresrückblick sehen. Dass deshalb evtl. auch Großereignisse nicht erfasst werden, ist weniger schlimm, da die Leute ja tagesaktuell informiert werden. Nicht zuletzt, weil die Privatsender bereits seit mehreren Jahren schon Mitte des Monats Dezember einen Jahresrückblick senden, sehe man sich gezwungen, darauf zu reagieren und das Album bereits am x.12. (dieses Jahr am 7.12.!) zu senden. (Zitat nach Gedächtnis)

Früher habe ich das "Album" seit den 1980er Jahren aufgenommen und gesammelt. Das habe ich nun seit 2004 aufgegeben.

Aber ist das nicht bescheuert? Man stelle sich vor, der 9/11 wäre am 11.12. passiert und nicht am 11.9. Er käme in deutschen Jahresrückblicken gar nicht vor!

Und nun auch schon die Printmedien. Lächerlich!

Anonym hat gesagt…

Das brisante ist hier ja eher, wie der Herr Chefredakteur mit seinen Lesern umgeht.

"weil spiegel-leser weder für etwas auf die strasse gehen noch protestmails wegen solch einer lappalie verschicken."

Auch wenn er damit recht hat, wird das der geneigte Spiegelleser sehr missmutig aufnehmen. Wer wird schon gern entmündigt, noch dazu wenn er noch in dem Glauben ist ein kritisches Magazin zu lesen.

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