21.03.2008

Tibet: Wikipedia als Kampfzone

seit der tibet-konflikt ausbrach, hat sich ein parallelkampf im internet ausgebreitet. propagandevideos beider seiten beherrschen den datenverkehr auf youtube und co. hier zwei beispiele chinesischer propagandavideos:
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verfälschend, stigmatisierend, einseitig, wie z.b. das video von NZKOF:
"tibet war, ist und wird immer ein teil chinas sein":


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trotzdem hat dieses video bereits 1.2 millionen besucher und 72'000 kommentare.
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ein anderes video bezichtigt spiegel, ntv, rtl, bild und andere westliche medien der lüge und bewussten irreführung. die angeblichen fotos und videos aus dem tibet seien in tat und wahrheit aufnahmen aus nepal, nepalesische polizeikräfte würden als chinesische polizeikräfte ausgegeben. unterlegt wird das ganze mit angeblichen beweisfotos aus den erwähnten zeitschriften und medien. selbstverständlich seien diese medien nicht so dumm, nepal mit tibet zu verwechseln, dies sei absicht, dies sei tibetische propaganda, dies geschehe bewusst, um china in misskredit zu bringen. :
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"das wahre gesicht westlicher medien":



die kritisierten medien reagieren kaum. spiegel online meint:
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Bei näherem Hinsehen erweisen sich allerdings eher die Vorwürfe als Propaganda - und die jubelnden Kommentatoren als mutmaßliche regierungstreue Claqueure.
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man beachte die bedeutung des wortes "eher". spiegel-online verpasst zumindest, in aller schärfe die vorwürfe richtig zu stellen. oder wurde eventuell da wirklich etwas verwechselt? es scheint so zu sein, denn auch die anderen kritisierten medien reagieren handzahm auf die vorwürfe.
nachtrag (22.3.08): stefan niggemeier doppelt nach. er hält die vorwürfe für wahr, wiederholt sie und unterlegt sie mit bildern: "ein nepal für ein tibet vormachen"
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der kampf geht aber auch auf wikipedia weiter: so berichtet ebenfalls spiegel-online:
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Der englischsprachige Wikipedia-Eintrag über Tibet ist in den vergangenen drei Tagen mehr als hundert Mal verändert worden, teilweise von Vandalen, die den kompletten Eintrag kurzzeitig schlicht durch wüste Beschimpfungen gegen das Land, buddhistische Mönche und den Dalai Lama ersetzt hatten. Der Eintrag über Tenzin Gyatso - so lautet der bürgerliche Name des Dalai Lama - wird ebenfalls fleißig editiert. Zwischendurch wurde der Friedensnobelpreisträger dort auch mal als Diktator geführt, unter dessen Herrschaft Menschen die Augen ausgekratzt worden seien. Andere Modifikationen waren noch plumper.
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eine sammlung wichtiger links und infos, gespickt mit aktualitäten in wort, bild und ton:

Tibet-Krise: Hintergrund, News, Videos, Links (täglich aktualisiert)

Kommentare:

arnebab hat gesagt…

Schau doch mal in die Taz. Die hat(-te) einen Korrespondenten in Tibet.

http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-tibet/artikel/1/taz-reporter-aus-tibet-ausgewiesen/?src=SZ&cHash=61db418058

lupe hat gesagt…

danke für den tipp, habe den link gleich in der tibetsammlung eingebaut.
http://swiss-lupe.blogspot.com/2008/03/tibet-krise-hintergrund-infos-videos.html

Leon hat gesagt…

Hi,

ich darf mal auf eine interessante Zukunftsaussicht hinweisen:

http://www.fettemama.org/easter-in-china/

China und Volksbrauchtum - was bei den Tibetern los ist, koennte genau so gut bei unseren Brauchtuemern passieren.

Lupe hat gesagt…

nicht schlecht, diese photoshop-kreationen.

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