20.02.2008

Steuerreform zu teuer und zu ungerecht

Die Gründe, warum ich die Unternehmenssteuerreform II (Schweizer Volksabstimmung von kommendem Wochenende) ablehnen werde:

  • Bauarbeiter, Verkäuferinnen, Angestellte, Rentner, Kleinaktionäre, 97% aller KMU-Besitzer müssten nach einer Annahme der Steuerreform weiterhin jeden Rappen Einkommen voll versteuern. Wer sein Geld für sich arbeiten lässt, Grossaktionär ist, mehr als 10 Prozent der Firma besitzt, der muss das Einkommen aus seinen Aktien (Dividenen) nur noch zu 60 Prozent versteuern. Wollen wir dies? Nein!
  • Grossunternehmer profitieren: Zementmilliardär Thomas Schmidheiny erhält für sein Aktienpaket an Holcim im vergangene Geschäftsjahr über 100 Millionen Franken Gewinnausschüttung (Einkommen aus Aktien). Wird die Steuerreform angenommen, kriegt er 40 Millionen davon steuerfrei. Der Kleinaktionär muss weiterhin jede Gewinnausschüttung voll versteuern. Wollen wir dies? Nein!
  • Die Unternehmenssteuerreform reisst Bund und Kantonen ein Loch von 2 Milliarden Franken in die Kasse. Bei der AHV sind es über 200 Mio Franken pro Jahr, die fehlen werden. Bereits jetzt will der Nationalrat als AHV-Sparmassnahme das Rentenalter für Frauen auf 65 anheben. Nach der Reform wird es wohl weiter steigen. Wollen wir dies? Nein!
  • Die Unternehmenssteuerreform II verstösst zweifach gegen die Verfassung: Weil nicht mehr alle Einkommen gleich besteuert werden und es in der gleichen Firma Aktionäre erster Klasse (Grossaktionäre mit grossen Steuergeschenken) und Aktionäre zweiter Klasse (Kleinaktionäre ohne Steuergeschenke) geben würde. Wollen wir dies? Nein!

Zusammengefasst: Die Unternehmenssteuerreform II ist ungerecht, viel zu teuer, nutzt nur den reichsten KMU-Besitzern und verstösst zweifach gegen die Verfassung.

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zu anderen abstimmungen:

Schweizer Armee am Sonntag vielleicht abgeschafft

Kommentare:

Mike hat gesagt…

Wie kommst du darauf, dass nur 3 Prozent der KMU-Besitzer von der Dividenenbesteuerung profitieren? Dass es nicht alle sind, ist mir schon klar, mit der 10%-Regelung.
Aber so wenige?

Lupe hat gesagt…

at mike:

in der schweiz hat es rund 300'000 kmu-betriebe. da nur profitiert, wer seinen kmu-betrieb in eine aktiengesellschaft umwandelte, fällt schon der grossteil weg. da nur profitiert, wer über 10% der aktien seiner firma besitzt, fällt erneut ein grossteil weg. nun muss eine firma zuerst noch gewinn machen, damit auf aktien dividenden ausgezahlt werden können. noch einmal werden es so weniger. berechnungen zeigen, dass nur etwas 8'500 kmu besitzer diese bedingungen erüllen.
dies ergibt in etwa 3% die von den steuergeschenken profitieren.

im prinzip sollten nicht jene von anschubfinanzierungen am meisten profitieren, die am meisten gewinn machen und jene kmu, die keinen gewinn machen, gehen leer aus.

Anonym hat gesagt…

Mir fällt die grosse Anzahl Pro-Inserate auf. Jeden Tag mehrfarbige Inserate in den Zeitungen.

Lupe hat gesagt…

wenn vorallem die kleinen kmu profitieren würden, hätten die kaum mehrere millionen franken für ihre kampagnen. aber weil die schmidheinis, die millionäre und milliardäre unter den firmenbossen profitieren, fliesst auch viel kohle in die abstimmungskassen.

ein grund mehr, abzulehnen.

Sandro hat gesagt…

Danke für die Zusammenfassung der Argumente.

Lupe hat gesagt…

gern geschehen.

m hat gesagt…

Endlich mal eine klare Liste von nachvollziehbaren Arugmenten. Da kann man eigentlich nur Nein stimmen. Leider war das Stimmvolk in letzter Zeit wenig empfänglich für vernünftige Argumente.

ZyNick hat gesagt…

Eines mal vorneweg: Ich bin auch für ein Nein.

Allerdings stört mich die Argumentation ein wenig. Mit "Grossaktionär" wird der klassische Anti-Grossen Reflex ausgelöst. Und dies obwohl auch Spekulanten Anteile unter 10% besitzen.

Zweitens ist ein KMU in eine AG umgewandelt, wird der Inhaber höchstwahrscheinlich sowieso mehr als 50% der Aktien behalten. Dies vor allem bei den kleinen Unterhmen.

Lupe hat gesagt…

at zynix: gebe dir recht mit dem "reflex wecken". bei dieser propagandalawine der befürworter muss man etwas lauter und emotionaler in den wald hinein rufen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden. leider.

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